3  :  0

Verdient bezwang der BVB am Sonntag den Hamburger SV mit 3:0 (2:0). Die Hanseaten, in den vergangenen Jahren ein Angstgegner der Dortmunder, stecken nun wieder mitten im Abstiegskampf.

Hier sehen Sie die Pressekonferenz nach dem Spiel !


                                             Ausgerechnet jetzt kommt der HSV !

„Jetzt kommt das Wunder von Dortmund !“ verkündete Danny Fritz vollmundig im BVB-Netradio. Es war der 09. April 2013, das Champions League Viertelfinale gegen den FC Malaga lief in den letzten Minuten. Die meisten Fans waren im Begriff das Stadion zu verlassen, obwohl Marco Reus in der Nachspielzeit noch den Ausgleichsstreffer erzielen konnte. Aber das 2:2 reichte nach dem 0:0 im Hinspiel nicht aus um sich für die nächste Runde zu qualifizieren. Aber dann: „Einwurf ! Schmelzer ! Lewandowski jetzt mit der Flanke in die Mitte ! Die kommt nicht schlecht ! Schieber ! Reus ! Reus in die Mitte ! Nun mach ihn rein ! Tor ! Tor ! Tor ! Tor ! Tor ! Tor ! Tor ! Tor ! Tor ! Toooooor für Borussia Dortmund ! 3 zu 2 ! Hier rasten alle aus ! Der ganze BVB ist auf dem Rasen ! Ich fasse es ja nicht ! 3:2 für Borussia Dortmund !“ Danny Fritz schrie nur noch vor Freude ins Mikrofon: „Freunde, ist das geil !“ Es war ein Moment für die Ewigkeit, ein Moment für die Geschichtsbücher als Felipe Santana damals den Ball ins Tor schob.

Genau 3 Jahre und 5 Tage später werden wieder derartige Erinnerungen wach. Auch dieses Spiel war eins für die Geschichtsbücher - nur dieses Mal leider mit umgekehrten Vorzeichen. Nahezu 90 Minuten stand Borussia Dortmund sicher als UEFA Europa-League-Halbfinal-Teilnehmer fest bis… ja bis zu dem Moment in der Nachspielzeit, als Dejan Lovren den Ball zum entscheidenden 4:3 für den FC Liverpool ins Dortmunder Tor köpfte. Fassungslosigkeit und lähmendes Entsetzen machten sich nicht nur bei den angereisten BVB-Fans sondern auch bei den Spielern breit. „Wir sind gerade sehr, sehr leer. Es gibt keine Worte dafür !“ sagte Thomas Tuchel enttäuscht. „Das Spiel ist schwer in Worte zu fassen“ bemerkte Marco Reus. „Mit dem 3:2 haben wir aufgehört Fußball zu spielen. Da haben wir auf einmal Schiss bekommen !“ resümierte Mats Hummels. Die erste Niederlage für das Team von Thomas Tuchel im Kalenderjahr 2016 hat einen derartig bitteren Nachgeschmack, dass man nur hoffen kann, dass er nicht allzu lange anhält. Denn am kommenden Sonntag kommt Borussia Dortmunds größter Angstgegner ins Westfalenstadion bzw. in den Signal-Iduna-Park ! Und der heißt: Hamburger Sportverein.

Borussia Dortmunds damaliger Cheftrainer Jürgen Klopp musste laut und herzhaft lachen als BVB-total Redakteur Boris Rupert ihn bei einer Pressekonferenz am 20.02.2014 damit konfrontierte, dass der Hamburger SV Borussia Dortmunds Angstgegner Nummer 1 sei. Und tatsächlich war es in den letzten 3,5 Jahren immer so, dass der BVB gegenüber dem HSV klarer Favorit war. Dennoch konnten die in den letzten Jahren stets abstiegsbedrohten Hanseaten von den letzten 7 Bundesligaspielen gegen den BVB ganze 5 Partien gewinnen.  


Bundesliga Saison 2012/2013    4. Spieltag           22.09.2012          Hamburger SV – Borussia Dortmund        3:2

Bundesliga Saison 2012/2013    21. Spieltag         09.02.2013          Borussia Dortmund – Hamburger SV        1:4

Bundesliga Saison 2013/2014    5. Spieltag           14.09.2013          Borussia Dortmund – Hamburger SV        6:2

Bundesliga Saison 2013/2014    22. Spieltag         22.02.2014          Hamburger SV – Borussia Dortmund        3:0

Bundesliga Saison 2014/2015    7. Spieltag           04.10.2014          Borussia Dortmund – Hamburger SV        0:1

Bundesliga Saison 2014/2015    24. Spieltag         07.03.2015          Hamburger SV – Borussia Dortmund        0:0

Bundesliga Saison 2015/2016    13. Spieltag         20.11.2015          Hamburger SV – Borussia Dortmund        3:1

 

Trotz der bitteren Niederlage gegen den FC Liverpool, die für den BVB das Ausscheiden aus der Europa-League bedeutet, forderte Thomas Tuchel die „Selbstverständlichkeit am Sonntag wieder Leistung abzurufen.“ Es sei völlig normal nach dem „einschneidenden“ Erlebnis in Liverpool enttäuscht zu sein und einen Weg zu finden mit der Niederlage umzugehen und die Spieler auf diesem Weg zu begleiten. Bei dieser Gelegenheit zitierte er den ehemaligen Skirennfahrer und heutigen Filmemacher und Designer Willy Bogner: „Die Niederlage wird oft unterschätzt, weil man aus ihr viel mehr lernen kann als aus einem Sieg !“

Es ginge darum, zu lernen mit der Situation umzugehen und sich in den nächsten Wochen neu kennenzulernen. „Nur so ist es möglich seine Lehren daraus zu ziehen und sich weiter zu entwickeln, so bitter das erst mal sein mag.“

 

Nichtsdestotrotz sei es aber für Thomas Tuchel „eine Selbstverständlichkeit sich wieder zu überwinden und die nächste Leistung abzurufen.“ Er erwarte von allen, einschließlich dem Trainer-Team, eine „Top-Vorbereitung, eine Top-Leistung und den Siegeswillen, der nötig ist um in der Bundesliga zu gewinnen.“

Thomas Tuchel: "Wir haben das großes Privileg, dass 80.000 Zuschauer auf uns warten. Es ist eine Selbstverständlichkeit sich wieder zu überwinden und die nächste Leistung abzurufen."

Mit dem Hamburger Sportverein, der zur Zeit mit 34 Punkten den 10. Platz in der Tabelle belegt, erwartet Borussia Dortmunds Cheftrainer eine sehr „fleißige, leidenschaftliche und emotionale“ Mannschaft. Im Gegensatz zum BVB, der den 2. Tabellenplatz in der Liga sicher hat und nur noch theoretische Chancen auf den Meistertitel hat, geht es für den HSV darum, sich mit einem Sieg einer möglichen Abstiegsgefahr zu befreien. Obwohl die Hanseaten in der jüngsten Vergangenheit schon oft mitten im Abstiegskampf steckten, hatten sie gegen Borussia Dortmund immer sehr erfolgreich gespielt (siehe oben). Doch das Argument, dass es für Borussia Dortmund in der Liga um nichts ginge, lässt Thomas Tuchel ausdrücklich nicht gelten: „Wir haben die Verpflichtung morgen alles zu geben. Die nächste Aufgabe ist nicht der Mittwoch, die nächste Aufgabe ist der Sonntag. Wir haben das große Privileg, dass 80.000 Zuschauer auf uns warten. Es ist eine Selbstverständlichkeit sich wieder zu überwinden und die nächste Leistung abzurufen.“