Das Ziel ist das Ziel !

Der dunkle Schatten von der Anfield Road in Liverpool liegt immer noch über dem BVB-Trainingsgelände in Brackel.  Es stand die Kritik im Raum, die Borussia hätte gegen Liverpool zu wenig körperbetont gespielt. Cheftrainer Thomas Tuchel ließ das Spiel gegen Jürgen Klopps Team von der Anfield Road Revue passieren: „Man muss aufpassen, dass man dabei nicht zu schnell pauschal wird. Wir haben ein sehr frühes Gegentor zum 2:1 bekommen und die Reaktion der Mannschaft war erstmal eine sehr gute. Wir haben das 3:1 in einer Phase erzielt, in der wir wieder dominant waren.“ Dennoch räumte er ein, dass der „Lauf“ der Liverpooler in der letzten halben Stunde „bis in die letzte Art und Weise nicht erklärbar“ sei. Er zieht daraus „die Lehre aus den letzten Wochen nach der Länderspielpause“, die klar besage,  „dass wir insgesamt nochmal besser spielen müssen.“ Und dabei sieht er die Leistung seiner Mannschaft nach der Länderspielpause kritisch. „Das begann mit dem Spiel gegen Werder Bremen“ bei dem auch „deutlich Luft nach oben vorhanden war“. Er folgerte daraus, dass seine Mannschaft nun gegen die Hertha aus Berlin „eine deutliche Schippe drauflegen muss zu all den Leistungen nach der Länderspielpause“

Die Hertha war zwar ihrerseits in den letzten Wochen in der Liga nicht sehr erfolgreich, doch der Pokal hat ja – wie jeder weiß – seine eigenen Gesetze. Thomas Tuchel erwartet eine „sehr selbstbewusste Mannschaft von Hertha, die in der Liga extrem viele Punkte gesammelt hat“ und nun die einmalige Chance habe, zuhause ein gutes Spiel abzuliefern. Die Mannschaft von Pal Dardai „strahlt auch in ihrer Art zu spielen großes Selbstvertrauen aus“ und „hat sich von Woche zu Woche im eigenen Ballbesitz verbessert“.

Thomas Tuchel: „Im Pokal ist das Ziel das Ziel und nicht der Weg das Ziel !“

Es besteht nun die Gefahr zu sagen, dass bei einer Niederlage des Halbfinals gegen die Hertha aus Berlin, der BVB in dieser Saison gänzlich ohne Titel bliebe und dann die alles in allem sehr erfolgreiche Saison „entwertet“ werden könnte. Und genau das schmeckt dem Cheftrainer von Borussia Dortmund ganz und gar nicht. Diesen Druck, der BVB müsse unbedingt Titel gewinnen auch mit dem Hinblick darauf wichtige Spieler wie Mats Hummels, Henrikh Mkhitrayan und Marcel Schmelzer zu halten, relativiert der Cheftrainer ausdrücklich: „Vor 2 Wochen habe ich einen Kollegen von Ihnen gehört, der ein Spiel von uns anmoderiert hat. Er hat gesagt: Gleich sehen wir den besten Zweiten in ganz Europa – und da waren wir noch in der Euro-League. Aber wenn diese Saison ohne Titel bliebe, dann wäre alles wertlos !“. Und dieser Satz ist Thomas Tuchel übel aufgestoßen: „Das musste ich erstmal sacken lassen ! Mit einer Nonchalance (Unbekümmertheit) werden Dinge entwertet, in die wir maximale Energie reinstecken !“ „Ich habe keine so große  Lust dazu, die Punkte, die Energie, die Konstanz und das, was die Mannschaft ausstrahlt an ein oder 2 Spielen aufzuhängen.“

Dennoch ist sich Thomas Tuchel über die Bedeutung der 2 Spiele (gegen Liverpool und nun gegen die Hertha) bewusst. Er definiert ganz klar, das Ziel „mindestens im Finale zu stehen“. Seine Devise lautet: „Im Pokal ist das Ziel das Ziel und nicht der Weg das Ziel !“

    

(Bijan Yaghoubi)