Borussia Dortmund hat mit einer starken Leistung auf die Kritik in der vergangenen Woche reagiert. Aus einer auf allen Positionen verbesserten Elf ragten diesmal die Außenangreifer heraus, die Bestnoten gingen an Ousmane Dembele und Marco Reus.  Hier gibt es die Pressekonferenz nach dem Spiel, dass der BVB mit 4  : 1 für sich entscheiden konnte.




Eine ereignisreiche und turbulente Woche liegt hinter dem BVB: nach einer äußerst durchwachsenen Leistung und der daraus resultierenden 2:1-Niederlage gegen die Eintracht in Frankfurt machte BVB-Cheftrainer Thomas Tuchel gleich zu Beginn der darauf folgenden Pressekonferenz seinem Unmut Luft: „Mit so vielen Defiziten in unserem Spiel ist in der Bundesliga kein Auswärtsspiel zu holen !“ und zählte dazu die defizitären Bereiche auf: „technisch, taktisch, mental, Bereitschaft… komplett ! Unsere Leistung ist ein einziges Defizit, von der Trainingswoche nach dem Champions-League-Spiel angefangen bis zur heutigen Leistung von der ersten bis zur letzten Minute: eine Leistung, die keinen einzigen Punkt verdient hat.(…) Die ganze Saison verläuft in einem ständigen Auf und Ab. Das ist sehr unbefriedigend !“ Das waren harte und klare Worte eines enttäuschten Trainers, die in der Öffentlichkeit für Aufsehen sorgten. Thomas Tuchel solle sich mal an seine eigene Nase fassen, schließlich sei er ja für die Taktik der Mannschaft verantwortlich, kritisierten unter anderem viele User in den sozialen Netzwerken. „Bei diesen ständigen XXL-Rotationen kann doch kein Spieler einen klaren Gedanken fassen“ war ebenso eine weit verbreitete Meinung. Es gab sogar Abstimmungen, ob Thomas Tuchel noch der richtige Trainer für Borussia Dortmund sei, ebenso stünde seine Vertragsverlängerung bei Borussia Dortmund durch sein Auftreten auf wackligen Füßen.

Auch Mannschaftskapitän Marcel Schmelzer sorgte beim Spiel gegen Eintracht Frankfurt für viel Wirbel: nach einem vermeintlichen Foulspiel an Auba im Strafraum rannte er zu Schiedsrichter Wolfgang Stark um das Foulspiel zu reklamieren. Dabei rammte er den Schiedsrichter, sodass dieser ins Straucheln geriet. Markus Merk, der selber über viele Jahre Schiedsrichter war, wertete im Nachhinein Marcel Schmelzers Aktion als einen tätlichen Angriff gegen den Schiedsrichter und forderte einen Platzverweis gegen Borussias Linksverteidiger. Wolfgang Stark hingegen beließ es jedoch bei einer gelben Karte.

Und zu guter Letzt sorgte Borussias Top-Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang für Aufsehen. Der Gabuner, auf dessen Einsatz wegen einer „internen Maßnahme“ schon beim Champions-League-Spiel gegen Sporting Lissabon verzichtet wurde, soll laut Aussagen der BILD nach der Partie gegen Frankfurt in einem Nachtklub gefeiert haben.

 

Sport-Live-Kommentar von Bijan Yaghoubi:

Puh, das muss man aber erst einmal sacken lassen und diese Woche verdauen. Vielleicht sollte man mal kurz die Luft anhalten, einen Gang herunter schalten und nochmal schauen, was genau passiert ist:

-       Borussia Dortmund hat gegen Eintracht Frankfurt schlecht gespielt und verdient verloren.

-       Mannschaftskapitän Marcel Schmelzer wollte bei Schiedsrichter Wolfgang Stark einen Strafstoß reklamieren und hatte diesen im Eifer unglücklich angerempelt.

-       Cheftrainer Thomas Tuchel tut seinen Unmut über die schlechte Leistung seiner Mannschaft kund.

-       Pierre-Emerick Aubameyang hat einen Nachtklub besucht.

Wenn man dazu die Überschriften des Boulevardblattes mit den 4 Buchstaben liest, dann könnte man meinen, Borussia Dortmund stünde wegen dieser schlimmen Vorfällen schon fast kurz vor der Insolvenz. Aber ganz so schlimm ist das dann doch nicht. Dass das Spiel gegen Eintracht Frankfurt kein Spaziergang werden durfte, dürfte jedem klar gewesen sein, der die Saison bislang einigermaßen verfolgt hat. Dass die Truppe von Niko Kovač bislang eine tolle Saison spielt, war jedem bis dato klar, allen voran Thomas Tuchel. Dass genau dieser Thomas Tuchel nach einer schlechten Leistung seiner eigenen Mannschaft unmittelbar nach dem Spiel sich enttäuscht zeigt, ist doch wohl mehr als verständlich. Es waren vielleicht ungewöhnlich harte Worte, aber warum darf ein Trainer seine Enttäuschung nicht klar offenbaren ? Es gibt doch nichts Schlimmeres, als Trainer, die nach einem verlorenen Spiel, das auf einer schlechten Leistung ihrer eigenen Mannschaft beruht, dann nur Süßholz raspeln und alles und jeden über den Klee loben. Insofern sehe ich seine öffentliche Kritik durchaus nachvollziehbar, da sie (hoffentlich) wie ein reinigendes Gewitter auf die Mannschaft wirkt und er niemanden direkt persönlich angegriffen hat. Er sprach immer im Kollektiv, sodass man davon ausgehen kann, dass er sich selbst in seiner Kritik mit einbezogen hat. Thomas Tuchel mag jemand sein, der sich nicht gern in die eigenen Karten schauen lässt, der gerne seine Mannschaft außerhalb der Öffentlichkeit und der Medien trainiert, aber er ist ehrlich und das sollte man ihm hoch anrechnen. Er kritisierte unter Anderem mangelnde Konstanz im Spiel des BVB und er hat Recht mit seiner Kritik. Nach vielen erfolgreichen Champions-League-Spielen kam die unmittelbare Ernüchterung in der Bundesliga:

 

  

UEFA Champions - League

  
  

27.09.2016

  
  

Borussia Dortmund – Real Madrid

  
  

2 : 2

  
  

Bundesliga

  
  

01.10.2016

  
  

Bayer 04 Leverkusen –   Borussia Dortmund

  
  

2 : 0

  
  

UEFA Champions - League

  
  

18.10.2016

  
  

Sporting Lissabon – Borussia   Dortmund

  
  

1 : 2

  
  

Bundesliga

  
  

22.10.2016

  
  

FC Ingolstadt – Borussia Dortmund

  
  

3 : 3

  
  

UEFA Champions - League

  
  

02.11.2016

  
  

Borussia Dortmund – Sporting   Lissabon

  
  

2 : 1

  
  

Bundesliga

  
  

05.11.2016

  
  

Hamburger SV – Borussia Dortmund

  
  

2 : 5

  
  

UEFA Champions - League

  
  

22.11.2016

  
  

Borussia Dortmund – Legia   Warschau

  
  

8 : 4

  
  

Bundesliga

  
  

26.11.2016

  
  

Eintracht Frankfurt –   Borussia Dortmund

  
  

2 : 1

   



Was nützt zum Beispiel ein aufopferungsvoller Heimsieg gegen den FC Bayern München, der den BVB wieder näher an die Tabellenspitze heranrücken ließ, wenn man anschließend gegen die Eintracht aus Frankfurt verliert ? Auch viele Fans waren verärgert und enttäuscht. Aber damit nicht genug: Sündenbock Nummer 2 war Marcel Schmelzer. Dass ein Mannschaftskapitän zum Schiedsrichter rennt um mit ihm zu sprechen oder –wie in diesem Fall- eine Entscheidung zu kritisieren, ist doch sein gutes Recht. Man konnte schon den Eindruck bekommen, dass Auba im Strafraum von hinten von Mijat Gacinovic getroffen wurde, aber Wolfgang Stark dieses nicht anerkannt hat. Schmelles Rempler war mit 100 prozentiger Sicherheit keine „Tätlichkeit“ gegenüber dem Schiedsrichter, sondern eher versehentlich. Dass sein Auftreten dennoch martialisch und sehr überdreht war, liegt in der Natur der Sache und somit geht die gelbe Karte gegen Marcel Schmelzer völlig in Ordnung. Man muss Wolfgang Stark ein großes Kompliment machen, da er in dieser hitzigen Situation kühlen Kopf behielt und sie richtig einzuschätzen wusste.
 

               

Borussia Dortmund hat in den vergangenen Jahren immer sehr gut daran getan Differenzen, Unstimmigkeiten und Meinungsverschiedenheiten vereinsintern auszutragen. Es ist davon auszugehen, dass das auch dieses Mal so der Fall sein wird. Also: Mund abwischen, Fehler analysieren, trainieren und dafür sorgen, dass die restlichen wichtigen Spiele bis zur Winterpause besser verlaufen.