Wer kennt nicht die berühmten Frotzeleien vor einem Derby ? Und gerade „die Mutter aller Derbys“, wie die Begegnung Borussia Dortmund gegen den FC Schalke 04 auch oft genannt wird, steht dem in nichts nach. Fast jeder BVB-Fan hat den ein oder anderen fußballerisch blau-weiß angehauchten Bekannten- oder Verwandten, sodass die verbalen Scharmützel vor jedem Derby natürlich nicht ausbleiben. Diese sind genauso Tradition wie die Tatsache, dass das Westfalenstadion bzw. der Signal-Iduna-Park innerhalb von nur wenigen Minuten restlos ausverkauft ist.

Bis vor einigen Wochen hatten die BVB-Fans noch gut lachen, denn das Derby am Null-Neunten Spieltag schien reine Formsache zu sein. Die Borussen starteten furios, gewannen fast alle Pflichtspiele und konnten gegen Legia Warschau, Darmstadt 98 und den VfL Wolfsburg deutliche Siege einfahren, während die Schalker mit ihrer neuen Führungsriege Christian Heidel als neuem Sportdirektor und Markus Weinzierl als Cheftrainer die ersten 5 Bundesligaspiele allesamt verloren haben und somit zu Beginn der Saison das Schlusslicht der Bundesligatabelle bildeten. Dass dabei bei dem ein- oder anderen Schalke-Fan der Geduldsfaden riss und er seinem Unmut Luft machte, ist allzu verständlich. Jedoch hat sich die Geduld der meisten blau-weißen Fans gelohnt. Die deutlichen Siege gegen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FSV Mainz 05 haben klar gezeigt, dass die Gelsenkirchener nicht zu den Abstiegskandidaten gehören.

  Bei Borussia Dortmund hingegen bildete sich im Laufe der Saison ein immer größeres Lazarett an angeschlagenen Spielern und somit vergrößerten sich die Sorgenfalten von Thomas Tuchel. Die letzten 3 Bundesligaspiele konnte man nicht gewinnen, sodass also unbedingt wieder ein Sieg her muss um den Anschluss an die Tabellenspitze nicht gänzlich zu verlieren. Beim Pokalspiel gegen den 1. FC Union Berlin machte BVB-Cheftrainer und Rotationskünstler Thomas Tuchel aus der Not eine Tugend und setzte vermehrt junge Spieler ein. Der erst 18-jährige Däne Jacob Bruun Larsen durfte dabei sein Pflichtspieldebut für die BVB-Profis feiern und erhielt für sein Auftreten im offensiven Mittelfeld in den Medien weitestgehend positive Kritik. Nichtsdestotrotz gelte es auch mit den A-Jugendspielern und ihrer Entwicklung verantwortungsvoll umzugehen, sodass sie schon wegen der hohen Belastung und Verantwortung weitestgehend geschont werden sollen.

Die Borussen taten sich in der ersten Halbzeit des 149. Revierderbys sichtlich schwer. Sie wirkten teilweise blockiert, ängstlich und unentschlossen und so gab es viele Missverständnisse und Fehlpässe auch gerade in der Vorwärtsbewegung und im Spielaufbau. Die Schalker versuchten diese auszunutzen indem sie auf Konterchancen lauerten um durch schnelles Umschaltspiel zu Torchancen zu kommen, was ihnen teilweise auch fast geglückt ist. Allen voran Julian Weigl, der im Spiel der Borussen als Schaltzentrale diente, wirkte verunsichert.

In der zweiten Halbzeit kamen die Schwarz-Gelben besser ins Spiel. Allen voran Mario Götze fasste sich oftmals ein Herz, drang des Öfteren in den gegnerischen Strafraum ein und kreierte so die ein oder andere gute Torchance. Speziell in der Sturm und Drangzeit des BVB zwischen der 60. Und 75. Minute wäre die Führung für Borussia Dortmund verdient gewesen, doch Ousmane Dembélé vergab aus spitzem Winkel die größte Chance des BVB indem er nur die Latte des Schalker Gehäuses traf.

  Alles in allem muss man sagen, dass das Unentschieden zwar einerseits leistungsgerecht ist, aber andererseits bei weitem nicht den Ansprüchen des BVB entspricht. Für Borussia Dortmund ist es nun das 4. aufeinanderfolgende Bundesligaspiel ohne Sieg. Wenn man sein Saisonziel erreichen und auch in der nächsten Saison in der Champions-League mitspielen möchte, dann muss wieder ein Sieg her – ohne Wenn und Aber !