Bericht und Kommentar von Bijan Yaghoubi:

Es war mal wieder eines dieser verrückten Fußballspiele, bei denen man nicht wusste, ob man nun lachen oder weinen soll. Roman Weidenfeller, der nach langer Zeit seinen Kollegen Roman Bürki vertrat, schien mit 4 Gegentoren bei seinem Debut nicht ganz glücklich und zufrieden gewesen zu sein. Thomas Tuchel, der im Vorfeld zum Spiel „die Gier, alles mitzunehmen was man mitnehmen kann“ versprach, rotierte mal wieder auf mehreren Positionen. Seine Entscheidungen waren aber nicht aus der Not geboren, weil zum Beispiel viele Spieler verletztungsbedingt ausfielen, sondern um wichtige Spieler für die kommenden Aufgaben vor der Winterpause vermutlich zu schonen. So verzichtete er z.B. in der Innenverteidigung auf Abräumer „Papa“ Sokratis und stellte mit Matze Ginter und Marc Bartra zwei sehr junge Spieler auf. Auch Lukasz Piszczek wurde geschont. Für ihn spielte zunächst Sebastian Rode auf der rechten Abwehrseite, der aber nach der Auswechslung von Marc Bartra in die Innenverteidigung rückte. Nuri Sahin durfte nach langer Zeit auch wieder auf seine gewohnte Position vor der Abwehr spielen, sodass Julian Weigl ebenfalls geschont wurde. Ebenso durfte Shinji Kagawa von Anfang an ran.

Die guten Nachrichten überwiegen zum Glück: Borussia Dortmund hat deutlich gewonnen und war schon vor der Partie sicher im Achtelfinale der Champions-League. Ebenso hat sich ( „Stand: jetzt !“, O-Ton Thomas Tuchel) niemand verletzt, Marco Reus hat bei seinem Debut nach einer 6-monatigen Verletzungspause gleich 3 Tore erzielt und Shinji Kagawa, dem viele keine allzu rosige Zukunft mehr beim BVB prophezeiten, schoss innerhalb von 3 Minuten 2 Tore !

Soweit, so gut ! Die schlechten Nachrichten kann aber leider auch niemand verleugnen. Es gab eklatante Probleme in der Abwehr, allen voran „Papa“ Sokratis fehlte an allen Ecken und Enden !  Marc Bartra leistete sich vor dem ersten Gegentor einen groben Schnitzer, sodass Aleksandar Prijovic mit der Rückennummer 99 ohne Probleme den Ball ins lange Eck schlenzen konnte. Ebenso fehlten viele Automatismen im Zusammenspiel. Ousmane Dembélé, der mehrmals sein Können und Talent im Umgang mit dem Ball aufblitzen lies, kannte offensichtlich in vielen Fällen nicht die genauen Laufwege seiner Mitspieler, sodass ihm viele Abspielfehler unterliefen. Auch Roman Weidenfeller wirkte verunsichert. Der erfahrene 36-jährige Keeper, der gegen Union Berlin grandios mehrere Strafstöße parieren konnte, hätte nach einer halben Stunde Spielzeit nach einem Lattentreffer des Gegners den Ball sicher mit den Händen aufnehmen können. Stattdessen setzte er zum Rückzieher an um den Ball aus der Gefahrenzone zu schießen. Warum er das so tat, weiß niemand so genau.

   

Die extremen Rotationen darf man also sowohl mit einem lachenden als auch mit einem weinenden Auge sehen: Zum einen ist es erfreulich, dass Shinji Kagawa nach langer Zeit in die Startelf rückte und mit 2 schönen Treffern wieder auf sich aufmerksam machte, aber auf der anderen Seite werden durch zu extreme Rotationen viele Automatismen und das Spielverständnis unter den Spielern eher gestört. 


Nachdem Borussia Dortmund sich mit dem 1:0-Heimsieg gegen Sporting Lissabon bereits für das Achtelfinale der UEFA-Champions-League qualifiziert hat, gilt es nun mit einem Sieg gegen Legia Warschau einen großen Schritt in Richtung Gruppensieg zu machen. Denn sollte Real Madrid, die in Warschau wichtige Punkte haben liegen lassen, in Lissabon nicht gewinnen, dann wäre dem BVB bei einem Heimsieg gegen Legia Warschau der Gruppensieg nicht mehr zu nehmen. Ein Gruppensieg wäre insofern wichtig, um Gruppensiegern aus anderen Gruppen und somit hochkarätigen Mannschaften wie z.B. dem FC Barcelona im Achtelfinale aus dem Weg zu gehen. Doch wer Thomas Tuchel ein bisschen kennt, weiß genau, dass Dortmunds Cheftrainer für derartige Rechenspiele nicht zu haben ist. „Wir konzentrieren uns auf uns und auf unsere Arbeit“ lautet sein Kredo. Nachdem man in der Liga durch viele verletzungsbedingte Ausfälle einige Probleme hatte, konnte man nun mit vielen genesenen Spielern gegen den FC Bayern München einen wichtigen Heimsieg erringen und somit bis auf 3 Punkte an den FC Bayern und 6 Punkte an RB Leipzig heranrücken. Thomas Tuchel ließ gegen den FC Bayern zum ersten Mal mit 3 Innenverteidigern und somit einer 5er-Abwehrkette und 2 Sturmspitzen spielen, sodass sehr viele Angriffe über die Flügel eingeleitet wurden.