Wenn man die Paarung „Borussia Dortmund gegen Real Madrid“ hört, denkt man natürlich sofort an den grandiosen 4:1-Sieg der Borussen beim Heimspiel des Champions-League-Halbfinals in der Saison 2012/2013. Es war der 24.04.2013 als Robert Lewandowski mit seinen 4 genialen Toren gegen die „Königlichen“ aus Madrid ein Zeichen setzte und somit fast im Alleingang den Grundstein zum Einzug ins Champions-League-Finale legte. Die daraus resultierenden Folgen sind allen bekannt: spätestens nach dieser „Majestätsbeleidigung“ machte Robert sehr auf sich aufmerksam, sodass er nun für einen Verein kickt, der sich nur unmittelbar nördlich der Alpen befindet.

 

Mittlerweile ist sehr viel Wasser den Rhein hinunter geflossen. Der allseits so beliebte Coach Jürgen Klopp wechselte bekanntlich zwischenzeitlich den Verein und trainiert nun die „Reds“ vom FC Liverpool. Weitere wichtige Führungsspieler wie Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Henrikh Mkhitaryan kehrten dem BVB zur neuen Saison den Rücken.

Welche Leistung darf man also nun von Borussia Dortmund gegen Real Madrid - gerade im Hinblick auf den vor kurzem stattgefundenem personellen Umbruch - erwarten ? Die Fans sind natürlich allesamt sehr zuversichtlich, stimmten sie doch nach dem 3:1-Sieg gegen den SC Freiburg Lieder zur Deutschen Meisterschaft an. Viele Kritiker sind jedoch skeptisch und sehen eine verfrühte Euphorie bei den Fans, die durch die klaren Siege aus den letzten 3 Pflichtspielen ausgelöst wurde. Es werde noch einige Zeit dauern, bis dieser „stürmische“ BVB die Balance zwischen „effektiver Offensive“ und „perfekt organisierter Defensive“ finden werde, schreibt ein bekannter User bei Facebook und kritisiert dabei die Abwehr der Borussia. Auch Thomas Tuchel sieht die letzten Spiele gegen Wolfsburg und Freiburg trotz der Siege kritisch: „Ich habe diese Erfahrung öfter gemacht, sehr oft in Wolfsburg gemacht. In dem Maße in dem Du dort in Führung gehst, erhöht sich unheimlich der Druck“ und sprach dabei die Sturm-und-Drang-Phase der Wölfe nach der 2:0-Führung der Borussen an. Auch das Spiel gegen den SC Freiburg sieht er trotz des 3:1-Erfolges phasenweise kritisch: „Die ersten 15 Minuten gingen an Freiburg. Es hat eine ganze Weile gedauert bis wir in dem Spiel drin waren. Wir hatten zu dem Zeitpunkt 5:1 Torschüsse gegen uns gehabt.“ Auch nachdem der BVB mit 2:0 in Führung ging „muss man ganz klar konstatieren, dass Freiburg auch nie aufgehört hat dran zu glauben. (…) Wir haben von dem Moment des 2:0 zu viel rückwärts gespielt, zu oft Roman (Bürki) mit einbezogen, zu viel Risiko im Spielaufbau genommen und wurden dann bestraft. Plötzlich wurde aus einem sicheren Spiel, in dem wir auch hätten höher führen können, ein sehr enges Spiel und das hat man uns wiederum auch angemerkt. Plötzlich wurde es unsicher, plötzlich wurde es ein bisschen zittrig, die Füße wurden ein bisschen schwerer. Es war nicht mehr ganz so selbstverständlich von hinten aufzubauen und die Halbräume zu finden.“ Er fügte aber auch hinzu, dass beim Überstehen einer solchen Sturm-und-Drang-Phase des Gegners, bei dem dieser die Räume sehr eng macht, sehr hoch verteidigt und alle möglichen Passwege zustellt „dann es auf jeden Fall DAS Gefühl ist und es ist ein perfektes Gefühl für uns, das uns bislang auch gefehlt hat, mal so eine schwierige Phase zu durchstehen, wieder Sicherheit in dieser Phase zu bekommen, das Spiel wieder zu machen, wieder mehr nach vorne zu spielen“ und lobt in dem Zusammenhang das schöne Tor von Raphael Guerreiro in der Nachspielzeit. Es sei der perfekte Zeitpunkt nach den „hohen und vermeintlich leichten Siegen“ auch eine derartige Erfahrung zu machen, die dann auch dazu beitrage, dass die Mannschaft weiter zusammenwachse.

Roman Bürki: "Wir haben ein großes Selbstvertrauen und können mit breiter Brust auftreten."

Roman Bürki und Thomas Tuchel haben zwar sehr großen Respekt vor Real Madrid, aber sehen gute Chancen das wichtige und richtungsweisende Spiel gegen die „Königlichen“ zu gewinnen. „Der Respekt ist immer da, egal welcher Gegner vor uns steht“, sagte Roman Bürki. „ Meine Arbeit bleibt immer die gleiche: das ist das Tore verhindern. Dabei ist es auch nicht ganz so entscheidend, wer davor steht. Klar wird es eine andere Situation sein als bei den Spielen in der Bundesliga.“ Auch Cheftrainer Thomas Tuchel hat eine klare Haltung zu Real Madrid: „Natürlich erkennen wir die Qualität von Real Madrid an und es wird auch eine große Aufgabe für uns sein das zu verteidigen. Dazu brauchen wir viel Fleiß, eine große Solidarität, viel Hingabe vom Umschalten von Offensive auf Defensive, einen strukturierten, sicheren und trotzdem mutigen Ballbesitz. Es geht darum einen konstruktiven Spielaufbau der Madrilenen frühzeitig zu unterbinden.“

Dass in der Bundesliga nicht alle Spiele ganz glatt liefen, sondern trotz der Siege es auch die ein oder andere „Sturm-und-Drang-Phase“ der Gegner gab, stimmte auch Roman Bürki optimistisch und so versuchte er daraus positive Lehren zu ziehen. „Der SC Freiburg war ein sehr guter Gegner, der uns alles abverlangt hat somit ein guter Gegner zur Vorbereitung auf das Spiel“.

Thomas Tuchel: "Natürlich erkennen wir die Qualität von Real Madrid an und es wird auch eine große Aufgabe für uns sein das zu verteidigen."

Auch wenn man weder den SC Freiburg, noch den VfL Wolfsburg mit den Qualitäten von Real Madrid so ganz auf eine Stufe stellen darf, sieht Roman Bürki seine Abwehr für das Spiel gut gewappnet. Der Fortgang von Mats Hummels zu den Bayern konnte man mit Neuzugang Marc Bartra durchaus kompensieren. „Die Abwehr hat auch schon einige Spiele gemacht, sowohl mit Ginni (Matthias Ginter) als auch mit Marc Bartra. Wir haben schon viele Spiele in den Beinen, die Kommunikation ist sehr gut und ist auf dem Feld überhaupt kein Problem. Von daher habe ich keinerlei Bedenken, was die Koordination in der Abwehrarbeit angeht.(…) Wir haben ein großes Selbstvertrauen und können mit breiter Brust auftreten. Wir haben viele Tore geschossen, viele Chancen kreiert und hinten eigentlich wenig zugelassen. Wir fühlen uns sehr gut, haben einen Lauf und versuchen den morgen auch fortzusetzen.“

   

Dass Thomas Tuchel ein sehr akribischer Trainer ist, dürfte jedem klar sein. Vor Trainingsbeginn in Brackel stellten er und seine Co-Trainer Rainer Schrey, Benjamin Weber und Arno Michels Hütchen auf, zogen Linien per Bänder u.s.w. Und alles wurde auf den Zentimeter genau ausgerichtet. Dementsprechend genau fallen auch eine Analysen zum Gegner aus: „Wir versuchen die Spiele des Gegners unabhängig vom Ergebnis zu analysieren und versuchen Verhaltensmuster zu entdecken, die Stärken herauszuarbeiten, die wir dann auch zu verteidigen haben. Wir versuchen defensive Abläufe zu erkennen um unseren Spielern Hilfen im Offensiverhalten auf den Weg zu geben.“ 

(Bijan Yaghoubi)