Die Bayern schwächeln, RB Leipzig führt die Bundesligatabelle an und Borussia Dortmund ist dicht dahinter. „Das Titelrennen ist wieder spannend !“ titulierte Deutschlands großes Boulevardblatt mit den 4 Buchstaben. Doch bei genauerem Hinsehen stellt man fest, dass der Abstand zu den Bayern oder gar zu RB Leipzig im Vergleich zu den Abständen nach unten fast  Lichtjahre beträgt. Vom 3. Bis zum 7. Tabellenplatz liegen alle Mannschaften zur Zeit punktgleich zusammen. Also müsste es richtigerweise heißen, dass das obere Mittelfeld und der Kampf um die Champions-League- und Europa-League-Plätze so spannend sei wie noch nie. Aber dafür ist es nach gerade mal 11 Spieltagen noch zu früh.

Dass Thomas Tuchel sich immer wieder gerne von Tabellenkonstellationen „frei machen möchte“, hat er schon des Öfteren betont. Treu nach Adi Preißlers Devise „Entscheidend ist auf`m Platz !“ konzentriert sich Borussia Dortmunds Cheftrainer vorrangig auf die Arbeit mit seinen Spielern. Nichtsdestotrotz zeigen seine Aufstellungen schon mal klar und deutlich wo die Prioritäten liegen. So ist zum Beispiel die Gruppenphase der Champions-League vorbei, da der BVB sich bereits für das Achtelfinale qualifiziert hat, sodass das Heimspiel gegen Legia Warschau wohl nicht die allerhöchste Priorität genoss. Thomas Tuchel schonte viele wichtige Spieler, wie zum Beispiel auch „Papa“ Sokratis. Die 4 Gegentore haben jedoch gezeigt, dass „Papa“ mit seinen hohen Qualitäten als Abräumer zurzeit kaum zu ersetzen ist. Es ist nicht nur verblüffend, dass die 4 Gegentore gefallen sind, sondern auch wie sie gefallen sind. Spielend leicht konnten die Spieler von Legia in vielen Situationen schnell umschalten und mit nur wenigen Pässen völlig frei vor Roman Weidenfeller auftauchen. Gegen Eintracht Frankfurt darf das so nicht passieren!

Thomas Tuchel erwartet gegen Eintracht Frankfurt ein „superschweres Spiel, da Frankfurt eine unheimlich gute Entwicklung“ habe, sodass man dort „extrem konzentriert“ sein müsse, da die Eintracht nur sehr wenig Torchancen zuließe. Ebenso forderte er von seinen Spielern Schnelligkeit, Biss, Kampf und einen fehlerfreien Spielaufbau um gegen die Hessen überhaupt zu Torchancen zu kommen. Die Mannschaft von Niko Kovač spiele so, wie ihr Trainer auch sei: Cool, mit Herz und Biss und trotzdem einem Sinn für Ästhetik. Die bislang sehr starke Saison der Frankfurter belegten auch die 21 Punkte auf ihrem Konto, von dem jeder Punkt auch „hochverdient“ sei.  

In Sachen Bissigkeit hakte Sebastian Wessling von der Funke-Medien-Gruppe nochmal nach: Er hatte den Eindruck, dass die Mannschaft von Thomas Tuchel in den letzten Wochen einen Lerneffekt und eine Weiterentwicklung in Sachen Bissigkeit und Emotionalität hatte. Thomas Tuchel bestätigte ihn in seinem Eindruck: „Es ist unsere Basis ins Spiel zu finden, ansonsten ist unser Spiel zu fehlerhaft um konstant dominant zu sein und um uns in irgendeiner Weise erlauben zu können, mit weniger Emotionalität, Aggressivität und Gier zu spielen als wir es zuletzt getan haben.“