“Dazwischen lagen Niederlagen gegen Hamburg ?“ fragte Jürgen Klopp ganz verdutzt. “In Hamburg ? Jaja, ganz viele sogar !“ antwortete Boris Rupert, BVB-Statistikexperte und Redakteur bei BVB-Total. „Seitdem Du Trainer bist hast Du bei keinem anderen Verein so häufig verloren wie in Hamburg“, fügte er  hinzu. „Boris, das ist aber schön, dass Du uns daran erinnerst.“ Sowohl Pressesprecher Sascha Fligge als auch Jürgen Klopp waren über die von Boris Rupert erwähnte Faktenlage überrascht. „Ist der HSV etwa mein Angstgegner ?“ fragte Jürgen Klopp mit einem Grinsen im Gesicht. „Ja“ war die prompte Antwort und der allseits so beliebte damalige BVB-Cheftrainer musste auf seine unnachahmliche Art lautstark Lachen. Das geschah am 20. Februar 2014 während der Vorpressekonferenz zum Bundesligaauswärtsspiel des BVB gegen den Hamburger Sportverein. Der BVB befand sich derzeit auf einem sicheren 3. Tabellenplatz in der Liga während die Hanseaten schon damals mit akuten Abstiegssorgen zu kämpfen hatten und sich auf dem vorletzten Tabellenplatz wiederfanden. Doch auch das darauffolgende Spiel gegen die Schwarz-Gelben konnte man sicher und ungefährdet mit 3:0 gewinnen, sodass die Hanseaten mal wieder gegen Borussia Dortmund sich die erforderlichen Punkte erkämpften, mit denen sie sich letztlich in die Relegation retten konnten. Der Rest ist Geschichte.

Thomas Tuchel will das Gesetz der Niederlagen in Hamburg durchbrechen: „Unsere Aufgabe ist daran zu glauben, dass es so ein Gesetz nicht gibt“

Gute 2 Jahre später sieht die Lage nicht viel anders aus: Der Hamburger SV bildet mit gerade mal 2 Punkten auf dem Konto mal wieder das Schlusslicht der Liga. Auch der neue HSV-Cheftrainer Markus Gisdol konnte daran bislang nichts ändern. Spötter könnten nun sagen: „Jetzt kommt uns der BVB gerade recht !“ Und das nicht ohne Grund: denn immer, wenn der HSV arg in der Klemme steckte, agierten die Westfalen traditionell als sichere Punktelieferanten… Und dass sich der BVB in der Liga zurzeit schwer tut, zeigte auch das Bundesligaspiel gegen den ehemaligen Tabellenletzten FC Ingolstadt. Nach einer völlig verkorksten ersten Halbzeit rettete man nach einem aufopferungsvollen Kampf gegen die „Schanzer“ in buchstäblich letzter Sekunde wenigstens einen Punkt. Dieses Spiel zeigte, dass man einen Tabellenletzten nicht im Vorbeigehen schlagen kann. Auch das letzte Bundesligaspiel gegen den blau-weißen Reviernachbar verlief nach dem torlosen Remis nicht wirklich nach dem Geschmack der BVB-Fans. Keine einzige echte Torchance konnte man in der ersten Halbzeit kreieren… ach ja, da ist sie wieder – die 1. Halbzeit….

Dass 3 Punkte aus 4 Bundesligaspielen bei weitem nicht den Ansprüchen von Thomas Tuchel entsprechen, ist allgemein bekannt. Während man in der Champions-League die Gruppe als Gruppenerster klar dominiert und sich somit schon vorzeitig für das Achtelfinale in dem Wettbewerb qualifiziert hat, hinkt man in der Liga den Erwartungen deutlich hinterher. Böse Zungen könnten nun der Mannschaft unterstellen, man würde die Konzentration zu sehr auf die Champions-League legen und den Liga-Alltag zu sehr vernachlässigen. Doch davon will Thomas Tuchel nichts wissen. „Wir haben ganz sicher kein Konzentrationsproblem in der Liga und wir haben definitiv kein Prioritätenproblem !“

Fakt aber ist: Der Hamburger SV steckt ganz tief in der Krise und Borussia Dortmund muss auch in der Liga dringend punkten um den Anschluss an die oberen Tabellenplätze nicht gänzlich zu verlieren. Das wiederum könnte automatisch bedeuten, dass der Verlierer der Partie in eine tiefere Krise und somit auch in einen mentalen Teufelskreislauf geraten könnte, sodass auch diese Partie für beide Teams ein durchaus richtungsweisendes Schlüsselspiel werden kann.

    Natürlich wurde bei der Pressekonferenz auch über die Disziplinarmaßnahme gegen Pierre-Emerick Aubameyang gesprochen zum wichtigen  Champions-League-Spiel gegen Sporting Lissabon gesprochen. Warum wurde diese Maßnahme öffentlich gemacht, welches Zeichen wollte Thomas Tuchel damit setzen ? Es durfte seit Mittwochabend sehr viel über diese Entscheidung spekuliert worden sein, denn der Hinweis, dass Pierre-Emerick Aubameyang aus „internen Gründen“ nicht im Aufgebot stand, ließ sehr viel Spielraum zur Spekulation. 

(Bijan Yaghoubi)