Persönliche Grenzen werden dramatisch überschritten 

Thomas Tuchel ist auch in seinem 2. Jahr als BVB-Cheftrainer sportlich sehr erfolgreich. Borussia Dortmund hat sehr gute Chancen sich auch dieses Mal für die nächste Saison direkt für die Teilnahme an der UEFA Champions-League zu qualifizieren und steht nach dem grandiosen Sieg gegen den FC Bayern München auch in diesem Jahr im DFB-Pokalfinale in Berlin. Dennoch gibt es zwischen seinem Trainerteam und der Geschäftsführung von Borussia Dortmund einen Dissens, der „nicht auf sportlichen Misserfolg“ beruht.


Es waren eigentlich eine einfache und direkte Frage, die Sebastian Weßling und Daniel Berg von der Funke-Medien-Gruppe bei einem Interview dem Vorsitzenden der Geschäftsführung Hans-Joachim Watzke stellten und eine noch einfachere Antwort, die sie darauf bekamen: „Gibt es einen Dissens zwischen Thomas Tuchel und Ihnen, Herr Watzke ?“ – „Das ist so, ja !“ - eine Antwort, die ungewöhnlich viel Aufsehen erregte, denn nun sah jeder das Verhältnis zwischen der Geschäftsführung von Borussia Dortmund und seinem Trainerteam als zerrüttet an. Sei es die Transferpolitik des Vereins oder der Umgang mit dem Bombenattentat auf den Mannschaftsbus kurz vor dem Champions-League-Viertelfinal-Hinspiel gegen den AS Monaco: Themen, die zu vermeintlichen Kontroversen zwischen Thomas Tuchel und Hans-Joachim Watzke führten, gibt es wohl genug.

Sowohl die sozialen Netzwerke als auch die Medien überschlugen sich nahezu mit dem Thema „Dissens zwischen Thomas Tuchel und Hans-Joachim Watzke“. Es gab täglich neue Meldungen, vermeintlich neue Aussagen und Stellungnahmen zu Thomas Tuchel als Trainer und seinen Trainingsmethoden. Der BVB-Cheftrainer wirkte auf der Pressekonferenz ein wenig verunsichert: „Die Heftigkeit der letzten Woche ist nicht spurlos an mir vorbei gegangen. Ich wurde mal gefragt, wie ich mit dem ganzen Lob umgehe. Das fühlt sich an als wäre es 12 Jahre her. Es kursieren in der letzten Woche so viele Unwahrheiten, so viele persönliche Verleumdungen. Viele basieren davon auf anonymen Zitaten und ich finde, da werden persönliche Grenzen auch dramatisch überschritten.“

Thomas Tuchel betont das gute Verhältnis zwischen ihm und seinen Spielern: „Zwischen mir und den Spielern gilt maximales Vertrauen, sonst wären die Leistungen, die wir bringen auch nicht möglich, wenn wir ein zerrüttetes Verhältnis hätten.“

Nichtsdestotrotz überwiege zurzeit noch sein sportlicher Ehrgeiz mit der Mannschaft wichtige Saisonziele zu erreichen. Dabei betonte er entgegen einiger Pressemeldungen, wonach einige Spieler ihren Cheftrainer anonym kritisiert haben sollen, das gute Vertrauensverhältnis zwischen der Mannschaft und seinem Trainerteam: „Es ist sehr schwer damit umzugehen, aber ich fühle im Moment auch die Stärke und die Verpflichtung gegenüber meiner Mannschaft und den sportlichen Zielen, die wir zusammen haben um aus dieser Saison eine herausragende Saison zu machen. Meine persönlichen Bedürfnisse und meine Gefühle muss ich dabei hinten anstellen, so schwer mir das auch im Moment fällt. (…) Es ist für mich die unterste Schublade der Berichterstattung angeblich anonym Spieler zu zitieren, denn wer weiß, ob das überhaupt gesagt wurde. (…) Zwischen mir und den Spielern gilt maximales Vertrauen, sonst wären die Leistungen, die wir bringen auch nicht möglich, wenn wir ein zerrüttetes Verhältnis hätten.“

Thomas Tuchel nimmt Stellung zum Dissens: „Ich habe mir es auch angewöhnt ein dickes Fell zu haben, wenn wir um Sport diskutieren oder wegen Sport in die Kritik geraten, auch wenn sich die Kritiken überschlagen oder unfair anfühlen. Aber es geht nicht um Sport. Es wurde Vieles auf eine Art und Weise auf den Kopf gestellt, die persönlich zu weit geht.“

Ein Thema, das mit dem Dissens sehr im Zusammenhang steht und unter den BVB-Fans in den sozialen Netzwerken sehr kontrovers diskutiert wird ist die Frage, ob Thomas Tuchel noch über diese Saison hinaus Cheftrainer von Borussia Dortmund sein wird und ob er dazu noch die nötige Energie haben wird. Die Aussagen des BVB-Cheftrainers wirkten desbezüglich teilweise etwas resignierend, teilweise sogar etwas melancholisch: „Ich weiß nicht ob ich da im Moment der richtige Ansprechpartner bin. (..) Ich war ursprünglich der Meinung, dass wir noch sehr viel Zeit hatten um über Vertragsverlängerungen zu sprechen, weil ich ganz fest davon ausging auch nächstes Jahr hier Trainer zu sein. Das ist meine Grundüberzeugung. (…) Es wäre einigermaßen naiv, wenn ich nach dieser Woche, in der ich eigentlich dachte, dass wir uns komplett stabilisiert haben und auch in einem komplett ruhigen Umfeld arbeiten, sage: „Ja natürlich, was spricht da dagegen ?“ (…) Ich bin Arbeitnehmer und gebe alles um die Ziele zu erreichen. Dabei sind wir auf einem guten Weg, der zwar schwer ist, aber wir sind auf dem Weg. Und für alles andere brauchen wir ein bisschen Geduld und auch ein bisschen Abstand.“